Afrika

Durchschnitt EF EPI: 50,28 Bevölkerung: 1 308 064 195 BNE pro Kopf: $2,946.88

Neue Generationen, neue Chancen

Im letzten Jahrzehnt haben ausländische Investitionen in Infrastruktur und Wirtschaftsprojekte in Afrika stark zugenommen. Besseres Englisch würde diese internationale Zusammenarbeit noch verstärken.

Während europäische Kolonialmächte, insbesondere Frankreich, seit langem enge Beziehungen zu afrikanischen Ländern pflegen, wurde die jüngste Welle ausländischer Investitionen auf dem Kontinent von China ausgelöst. In Afrika begegnet man heute überall großen Infrastrukturprojekten, Handelsabkommen und neuen Unternehmensgründungen. Zwischen 2010 und 2016 wurden in Afrika über 320 neue Botschaften und Konsulate eröffnet. Aber der vergangene Wettlauf um den Reichtum des Kontinents, der von Gewalt und kolonialer Unterdrückung geprägt war, wirft noch immer seinen Schatten. Bessere Englischkenntnisse würden ausländischen Investoren und ihren afrikanischen Partnern dabei helfen, Verträge transparenter zu.

Der Abstand bleibt

Im Index dieses Jahres gibt es einen gewaltigen Abstand zwischen Kenia, Nigeria und Südafrika – die alle im oberen Bereich des Index liegen und drei der größten Volkswirtschaften in Afrika repräsentieren – und den anderen zehn untersuchten Ländern. Leider reichen unsere Indexdaten in diesem Jahr nur für 13 afrikanische Länder aus. Das ist mehr als je zuvor, aber immer noch zu wenig, um sich ein klares Bild vom Kontinents als Ganzes zu verschaffen. Möglicherweise ist der Abstand zwischen Ländern mit hohem und niedrigem Sprachniveau groß. Es kann aber auch sein, dass das Spektrum der Kenntnisse vielfältiger ist als diese Daten vermuten lassen. Wir können afrikanische Erwachsene nur ermutigen, ihre Englischkenntnisse zu testen, sodass zukünftige Ausgaben vollständiger ausfallen.

Ungleichheit ist ein Phänomen in ganz Afrika. In Städten sieht man häufig Wolkenkratzer, die von Slums umgeben sind. Der Unterschied beim Lebensstandard zwischen dem städtischen und dem ländlichen Raum ist oft ebenso extrem. Für diese Ungleichheiten gibt es strukturelle und historische Gründe. Schnelles Bevölkerungswachstum und Urbanisierung verschärfen das Problem noch. Nach Prognosen der Vereinten Nationen wird sich die Bevölkerung Afrikas in den nächsten 35 Jahren verdoppeln. 21 der 30 am schnellsten wachsenden Ballungsräume weltweit liegen auf diesem Kontinent. Die Bildungssysteme Afrikas sind kaum darauf vorbereitet, so viele junge Leute auszubilden, so dass möglicherweise sehr viele schlecht ausgebildete junge Erwachsene um wirtschaftliche Chancen kämpfen werden und der Migrationsdruck auf Europa hoch bleiben wird.

#6 von 100 Ländern/Regionen Südafrika

Englischkenntnisse: Sehr gut
EF EPI-Punktzahl: 65,38

#18 von 100 Ländern/Regionen Kenia

Englischkenntnisse: Gut
EF EPI-Punktzahl: 60,51

#29 von 100 Ländern/Regionen Nigeria

Englischkenntnisse: Gut
EF EPI-Punktzahl: 58,26

Bildung in der Muttersprache

Die Kolonialgeschichte hat dazu geführt, dass viele Afrikaner europäische Sprachen mit hohem sozialem Status in Verbindung bringen. Lokale Schulsysteme unterrichten deshalb oft bevorzugt in Englisch oder Französisch und weniger in lokalen Sprachen.

Es wird Zeit, dass sich etwas ändert. Es gibt robuste Forschungsergebnisse dazu, dass Kinder permanent im Nachteil sind, wenn sie keinen Lese- und Schreibunterricht in ihrer Muttersprache erhalten haben. Trotzdem wird in den Bildungssystemen fast aller afrikanischen Länder südlich der Sahara eine Kolonialsprache als Unterrichtssprache verwendet. Nur Äthiopien, Eritrea und Tansania bilden hier eine Ausnahme. In einer neuen Studie in zwölf Schulen in Kamerun, die vom Unterricht in englischer Sprache zum Unterricht in der Sprache Kom übergegangen sind, der Muttersprache der Kinder, wurde festgestellt, dass nach fünf Jahren die in Kom unterrichteten Kinder in allen Fächern bessere Leistungen zeigten, einschließlich Englisch. Kenia hat in diesem Jahr in Grundschulen tägliche Suaheli-Stunden eingeführt, auch wenn der Hauptteil des Unterrichts weiterhin in Englisch stattfindet.

Weil die Sprachlandschaften in vielen afrikanischen Ländern vielfältig sind, erfordert der Umstieg auf Bildung in der Muttersprache erhebliche Investitionen in die Entwicklung von Lehrplänen, aber die Alphabetisierung aller Kinder in ihrer eigenen Muttersprache ist das Geld wert. Eine internationale Sprache wie Englisch oder Französisch zu sprechen hat auch Vorteile. In Regionen, in denen mehrere Sprachen gesprochen werden, können diese internationalen Sprachen ebenso als Brücke zwischen den Bevölkerungsgruppen dienen wie als Bindeglied zur Welt. Die Entscheidung, welche Sprache in gemischtsprachlichen Gemeinschaften unterrichtet werden soll, ist nicht einfach. Jedem Kind mehrere Jahre Schulbildung in der Muttersprache zu verschaffen hat so große Bildungsvorteile, dass es die Anstrengungen wert ist.

Sprachliche Vielfalt

Die Englischkenntnisse von Erwachsenen in Nordafrika entsprechen in etwa denen im Nahen Osten. Algerien, Marokko und Tunesien weisen eine komplizierte Sprachlandschaft auf. Lokale Dialekte des Arabischen, Berbersprachen, Französisch und Standard-Arabisch spielen im privaten Leben, im Bildungssystem und im öffentlichen Raum unterschiedliche Rollen. Englisch ist in dieser Mischung relativ neu, gewinnt aber an Bedeutung, besonders wegen seiner Neutralität und seinem geschäftlichen Potenzial. Algerien, Libyen und Tunesien haben seit dem letzten Jahr bescheidene Fortschritte im Englisch-Sprachniveau erzielt, sie müssen jedoch noch stärker in den Englischunterricht investieren, wenn sie ihren Arbeitskräftenachwuchs für internationale Märkte wettbewerbsfähig machen möchten.

Nordafrika würde sehr von mehr Offenheit und Austausch profitieren, sowohl wirtschaftlich wie sozial. Von den jungen Männern in der Region ist ein Viertel arbeitslos. Bei der Geschlechtergleichheit bleibt die Region eines der Schlusslichter im weltweiten Vergleich. Nur 26% der Frauen finden außerhalb des Hauses eine Arbeit und diese erhalten 30–50% weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen. Diese Geschlechterrollen, dazu die von Medien angeheizte Angst vor Terrorismus und der Mangel an Englischkenntnissen tragen zum „Othering“ von Nordafrikanern bei und schneiden sie von den wirtschaftlichen Chancen ab, nach denen sie so verzweifelt suchen.

Unterschied nach Geschlecht

Die durchschnittlichen Englischkenntnisse von Frauen sind in Afrika besser als die von Männern, der Abstand zwischen den Geschlechtern ist seit dem letzten Jahr allerdings geringer geworden. In jedem afrikanischen Land außer Ägypten und Südafrika schnitten die Frauen besser ab als die Männer und in diesen beiden Ländern ist der Abstand extrem gering.

Generationsunterschied

Junge Erwachsene besitzen in Afrika die besten Englischkenntnisse, der Abstand zwischen Erwachsenen unter 30 und älteren Erwachsenen ist erheblich. Für einen so jungen Kontinent sind diese Daten vielversprechend. Wie in anderen Regionen sind es nicht die jüngsten Erwachsenen, die das beste Englisch sprechen, sondern die im Alter von 21–25, gefolgt von der Altersgruppe der 26- bis 30-Jährigen. Diese jungen Erwachsenen hatten die Möglichkeit, bei der Arbeit Englisch zu sprechen. Die eigenen Englischkenntnisse nutzen zu können, wirkt sich klar aus – das Englisch verbessert sich durch die Praxis.

  • Durchschnitt

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