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Notting Hill Carnival: Der Englische Karneval der Kulturen

Notting Hill Carnival: Der Englische Karneval der Kulturen

Bestimmt hast du schon vom Karneval der Kulturen gehört, der jährlich am Pfingswochenende in Berlin stattfindet. Wenn du nun zufällig am letzten Wochenende im August in London bist (vielleicht bei einer Sprachreise), dann bist du bestimmt in Notting Hill unterwegs, wo der Notting Hill Carnival stattfindet. Was wir hier gleich mal klären wollen ist, dass diese Karnevalstraditionen nichts mit dem närrischen Treiben im Februar (Rosenmontag und Aschermittwoch) zu tun haben, welches auf christlichen Bräuchen basiert.

Nun fragst du dich, ob diese Karnevalstradition in London etwas mit dem Karneval der Kulturen zu tun hat. Wir haben uns die gleiche Frage gestellt und deshalb einmal geschaut, wo diese Traditionen herkommen und ob es einen Zusammenhang gibt.

Der Notting Hill Carnival

Der Karneval, der Ende August in London stattfindet, ist der ältere der beiden. Er wird bereits seit 1966 gefeiert und ist mittlerweile zu einem der größten Straßenfeste der Welt geworden. Er findet über zwei Tage, dem letzten Montag im August (Feiertag in England) und dem vorangehenden Sonntag, statt. Bei Reggae und Soca Musik und mit bunten Federn geschmückten Kostümen vergisst man allerdings schnell die nicht so fröhlichen Ursprünge des Karnevals. Die Tradition gründet in der Rassenvielfalt in London.

Nach dem 2. Weltkrieg brauchte England zusätzliche Arbeitskräfte, die aus der Karibik geholt wurden. Diese siedelten sich vorrangig in den Londoner Bezirken Brixton und Notting Hill an, wo bereits während des Krieges geflüchtete Juden, Iren und natürlich Briten lebten. Ende der 50er-Jahre war die Lage sehr angespannt und es kam zu rassistisch motivierter Gewalt (z.B. 1958 Notting Hill Race Riots). Die engagierte Journalistin Claudia Jones, die ursprünglich aus Trinidad stammte und in London für die West Indian Gazette (Zeitung für ein schwarzes Publikum) schrieb, organisierte einen karibischen Karneval im Rathaus von St.Pancras. Dieser fand fortan jährlich im Januar statt.

Im März 1966 wurde von Rhaune Laslett im damaligen Problemviertel Notting Hill die sogenannte London Free School (LSF) gegründet. Dies war ein Bildungsprojekt für Erwachsene. Unwissend, dass es den karibischen Karneval in St. Pancras gab, organisierte die LSF im August 1966 ein Straßenfest für Kinder in Notting Hill, das für kulturelle Vielfalt stand. Wie durch Zufall war eine der beiden Bands, die dort auftraten, die Gleiche, die auch schon in St.Pancras aufgetreten war. So entstand aus beiden Events zusammen der Notting Hill Carnival, der heute zum festen Bestandteil der Londoner Kultur geworden ist und jährlich eine Million Menschen nach Notting Hill lockt.

Karneval der Kulturen

Wesentlich jünger als der Notting Hill Carnival wird der Karneval der Kulturen in Berlin erst seit 1996 gefeiert. Bereits 3 Jahre zuvor war die Werkstatt der Kulturen gegründet worden, die vom Berliner Senat gefördert wurde und ein Forum der Begegnung bilden sollte als Antwort auf fremdenfeindliche Ausschreitungen. Berlin hatte damals eine halbe Million Einwohner aus mehr als 180 Nationen. Es fanden regelmäßige Treffen und Kunstprojekte statt, die bald zu der Idee führten, eine mehrtägige öffentliche Veranstaltung zu organisieren, die lokale Internationalität zum Ausdruck bringt.

Bereits zuvor hatte es in Berlin Karnevalsveranstaltungen zur närrischen Hochsaison im Februar gegeben. Doch diese Tradition hatte für die Veranstalter zu wenig mit kultureller Vielfalt zu tun. Inspiration fand man schließlich im brasilianischen Karneval von Pernambuco, dem Notting Hill Carnival und dem Zomercarnaval in Rotterdam (in den 80-er Jahren von Immigranten der niederländischen Antillen eingeführt und zu einem ähnlichen Straßenfest wie in London herangewachsen). Der Karneval der Kulturen ist demzufolge daran angelehnt und ist mittlerweile zu einem viertägigen Straßenfest herangewachsen, geprägt von Straßenumzügen und musikalisch-choreographischen Darbietungen.

Niemand ist nun mehr überrascht, dass dich der Karneval, den du im August in London erleben kannst, an den Karneval der Kulturen erinnert. Wenn sie doch nicht genau gleichen Ursprungs sind, ähneln sich die Traditionen doch sehr und sollen die gleiche Botschaft vermitteln. Beide basieren auf kultureller Vielfalt und sollen Fremdenfeindlichkeit entgegenwirken. Vor allem Letzteres ist in der heutigen Welt von besonderer Bedeutung.

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